Bericht zur Topcat WM 2009

Hart umkämpft war dieses Jahr der Titel des World Champions in der ISAF-Katamaranklasse Topcat K1. Mit 38 Startern wurde vor der Riviera-Küste Italiens bei Punt Ala (auf der Festlandseite in Höhe Elbas) die Wettfahrten der Weltmeisterschaft 2009 ausgetragen.

Bereits vor den Wettfahrttagen zeigte das Revier sein ganzes Können. Mit traumhaftem Wetter und segeltechnisch herrlichen Bedingungen trainierten etliche Mannschaften bereits vor dem ersten offiziellen Start. Vor allem die italienischen Teams hatten sich zusammen geschworen, um den Titel im Heimatland zu erkämpfen. Für das Team Moser fielen die direkten Vorbereitungen leider Berufsbedingt eher spärlich aus. Mit der Anreise in den Knochen konnten trotzdem am Samstag vor der Veranstaltung ein Probeschlag bei sehr windigen und welligen Bedingungen durchgezogen werden. Zusammen mit den Brüdern Lotz wurden die letzen Vorbereitungen auf dem Wasser für das anstehende Event und die Titelverteidigung aus 2007 (WM in Kyllini Beach, Griechenland) getroffen.

Für den Sonntag stand das Practice Race auf dem Programm. Dabei wird für Wettfahrtleitung und Regattateilnehmer ein nicht ins Ergebnis zählender Probelauf gesegelt, um alle Abläufe zu testen. Dieses musste allerdings aufgrund von Windmangels abgebrochen werden. Somit bestand am Vortag der WM noch kein direkter Vergleich mit der Konkurrenz, was die Spannung auf den ersten Tag nochmals steigerte.
Der erste Tag verlief gut. Bei starken Winden knapp unterhalb des maximal zulässigen Windlimits wurde 2 Rennen ausgetragen. Mit 2 zweiten Plätzen konnten wir unsere Stärke demonstrieren und die vorläufige Führung sichern. Dennoch war uns schlagartig bewusst geworden, dass es dieses Jahr sehr schwierig werden wird. Die 3 italienischen Teams waren mit uns während dem Rennen gleich auf und boten uns harte Konkurrenz. Es war ganz offensichtlich, dass sich diese Teams sehr gut auf die Meisterschaft vorbereitet hatten.

Doch bereits am ersten Tag gab es viele Crashs und Schaden an diversen Booten, auch bei der dichtesten Konkurrenz. Man könnte fast sagen, die harten Bedingungen von Wind und Welle forderten Ihren Tribut bei den Teilnehmern ein. Daher waren wir sehr glücklich mit den 2 zweiten Plätzen und der Tatsache, den ersten Tag ohne irgendwelche Schäden überstanden zu haben.

Am folgenden Tag nahm der Wind etwas ab. Dennoch waren die Bedingungen kurz unterhalb der italienischen Küste weiter schwierig. Mit mittleren Winden bei stark drehenden und böigen Verhältnissen war das Team Moser aber in seinem Element. Die vielen Trainingsstunden am Schluchsee und dem Heimatverein bei genau solchen Bedingungen zahlten sich aus. Mit einem weiteren 2. Platz und anschließenden souveränen Laufsiegen war die Führung ausgebaut. Doch mit dem letzten Rennen kam auch der erste Streicher ins Ergebnis, was die Konkurrenz wieder auf unsere Fährte brachte. Lediglich 4 Punkte trennten nach den ersten beiden Tagen die 2 ersten Teams. Damit war das Rennen keinesfalls entschieden und 3 weitere Wettkampftage standen noch aus.
Mittwoch war dann einer der entscheidenden Tage. Mit 2 weiteren Rennen einem ersten und vierten Platz konnten wir die Führung weiter verteidigen. Den Abstand zum zweitplatzierten aber nicht weiter ausbauen. Weiterhin 4 Punkte vorne und die Konkurrenz dicht im Nacken starteten wir in den vorletzen Tag. Den ganzen Tag kein Wind, eine abgebrochene Wettfahrt und lange Wartezeit auf dem Wasser prägten das Bild. Das eine solche Situation nicht zur Entspannung beiträgt muss man wohl keinem erklären. Dennoch kam plötzlich Wind aus einer ganz neuen Richtung auf. Fehlstart,… Massenrückruf. Da hatten wir noch mal Glück gehabt. Das hätte auch wirklich schief gehen können. So oder in dieser Art gingen uns die Gedanken durch den Kopf. Jetzt nur nicht nervös werden. Wir schaffen das schon. Mit diesen weiteren Gedanken versuchten wir uns gegenseitig Mut zuzusprechen. Dann der Start. Mit einem Klasse Startduell, das wir für uns entschieden starteten wir in das einzige Rennen des Tages. Wir waren guter Dinge. Doch dann kam die Trendwende. Die andere Seite der Regattabahn war bevorzugt und wir fielen auf den 6./7. Platz zurück. Unser Konkurrent im Nacken. Soweit war noch nichts Schlimmes passiert. Wir verteidigten unsere Position und deckten ab. Doch dann änderte sich der Wind weiter. Durch ein wenig Glück und gute Segelmannschaft arbeitete sich unser stärkster Konkurrent auf den 4. Platz vor. Wir konnten leider keine Plätze mehr gut machen und beendeten das Rennen auf dem 7. Platz. Unser schlechtestes Ergebnis während der WM und damit auch der Streicher. Somit hatte auch dieser Tag kein Fortschritt in der Situation gebracht und wir mussten den Tag unter „Schadensbegrenzung“ abhacken. Beide Mannschaften hatten nun ihre Streicher aufgebraucht und lagen dicht auf. Das Team Moser mit leichtem Vorteil durch den Vorsprung, doch passieren durfte nichts mehr.

Am Abend sind wir dann die verschiedenen Konstellationen (worst case scenario) durchgegangen. Schlussendlich kamen wir zu der Entscheidung uns nicht weiter damit zu beschäftigen und mit einem Video abzulenken.

Der letzte Tag brachte dann die ersehnte Entscheidung. Zu Beginn des 9. Und vorletzten Rennens fuhren wir auf Sicherheit und deckten unseren einzigen Konkurrenten ab. Schlechter als 4. Platz musste er machen, wir vor ihm, dann ist es entschieden.  Max. direkt hintendran um nicht zu viel zu verlieren. So waren die Szenarios des Vortages.

An 7. und 8. Stelle liegend kämpften wir hart mit dem zweitplatzierten italienischen Team. Auch Ihnen war klar, dass nun etwas passieren mussten. Unsere mentale Stärke war aber zurück und wir machten keine Fehler. Somit arbeiteten wir uns sicher aber schnell auf den 3. Platz nach vorne, während wir unsere Konkurrenz auf dem 7. Platz zurückließen. Im Ziel war die Freunde riesig. Damit war die WM 2009 der Topcat K1 entschieden. Sämtlicher Stress fiel von unseren Schultern und dem Boot direkt in die hellblaue See hinein und verschwand in der Tiefe des Meeres. So war zumindest das Gefühl. Nachdem die Entscheidung klar war, fassten wir den Entschluss nochmal alles zu geben und gewannen zum Abschluss den letzten Lauf bereits auf der Startkreuz. Vom Start bis ins Ziel konnten wir das Rennen anführen und uns den letzten Sieg zum Abschluss der WM schenken.

Zu verdanken haben wir diesen großartigen Sieg und die Verteidigung des Weltmeistertitels der professionellen Vorbereitung von Mannschaft und Material welches durch meinen Vater begleitet wurde und von Jedox (www.jedox.com), unserem Sponsor, unterstützt. Vielen herzlichen Dank!

Viele Grüße

Sebastian Moser

Bilder: Dianthe Chirino (It)




Veröffentlicht am:
10:39:52 17.09.2009 von Sebastian Moser

Letzte Aktualisierung
10:02:00 22.09.2009